06 · Engineering
Warum wiederkehrende Maßnahmen aus dem Plan verschwinden
· 6 Min. Lesezeit
Heute
Verbandwechsel täglich, seit drei Wochen. Am Dienstag hakt jemand ab, im Keller, mit schlechtem Empfang. Das Häkchen sitzt.
Am Mittwoch steht der Verbandwechsel nicht mehr im Plan. Niemand bemerkt das, denn eine Aufgabe, die fehlt, fällt nicht auf. Es gibt keine Meldung und keinen roten Punkt.
Auffallen kann es erst an der Wunde.
Warum das bestehende Modell dieses Problem erzeugt
Wiederholungen werden üblicherweise nacheinander abgearbeitet: erst die Maßnahme abschließen, dann prüfen, ob sie wiederkehrend ist, dann den nächsten Termin anlegen.
Solange alles glattgeht, ist das unauffällig. Zwischen den beiden Schritten liegt aber das Netz, und ein Heim ist kein Ort mit lückenlosem Empfang. Bricht die Verbindung genau dazwischen ab, ist die Maßnahme erledigt und die von morgen entsteht nicht.
Der Versuch, es nochmal zu tun, hilft nicht. Die Maßnahme ist ja schon abgehakt, also passiert beim zweiten Tippen scheinbar nichts.
Das ist die unangenehmste Fehlersorte in Pflegesoftware: kein Absturz, keine Meldung, nichts im Protokoll. Nur eine Maßnahme, die irgendwann nicht mehr auftaucht.
Was wir anders entschieden haben
Bei uns ist das kein Nacheinander, sondern ein einziger Vorgang. Der Abschluss und der nächste Termin entstehen gemeinsam oder gar nicht.
Bricht dabei etwas ab, ist auch der Abschluss nicht passiert. Die Maßnahme steht dann weiterhin offen im Plan, die Pflegekraft sieht das, und der nächste Versuch läuft normal durch. Der Zwischenzustand, in dem das Häkchen sitzt und die Serie trotzdem tot ist, kann nicht entstehen.
Wie eine Wiederholung nicht abreißen kann: Die offene Maßnahme, Verbandwechsel heute acht Uhr, wird abgehakt. In einer Klammer, die als ein Vorgang gilt, entstehen der Abschluss mit Handzeichen, die Historienzeile mit wer, wann und wie, und der nächste Termin, genau einer. Danach stehen beide im Plan: heute erledigt, morgen acht Uhr offen. Bricht der Vorgang ab, führt ein gestrichelter Weg zurück zur offenen Maßnahme; nichts aus der Klammer gilt, und der nächste Versuch legt keinen zweiten Termin an.
Abhaken
Der Abschluss läuft über denselben geprüften Weg wie jeder andere: angemeldete Sitzung, Zugehörigkeit zum Haus, Handzeichen. Bricht später in diesem Vorgang etwas ab, ist auch dieser Schritt nicht passiert.
Was das verändert
- Systementscheidung
- Abschluss und nächster Termin sind ein einziger Vorgang, und ein wiederholter Versuch erzeugt nie zwei Termine.
- Technische Konsequenz
- Es gibt keinen Zustand, in dem eine Maßnahme abgeschlossen ist und ihre Serie abgerissen. Ein Abbruch führt zurück in den offenen Zustand, nicht in einen halben.
- Im Dienst
- Wer im Keller abhakt und dabei kein Netz hat, sieht die Maßnahme weiterhin offen und tippt oben nochmal. Am nächsten Morgen steht genau ein Verbandwechsel im Plan, nicht zwei und nicht keiner.
- Für die Einrichtung
- Serien reißen nicht still ab. Eine wiederkehrende Maßnahme verschwindet nicht mehr aus dem Plan, ohne dass jemand es entschieden hat.
Zwei Entscheidungen, die man erst im Betrieb bemerkt
„Täglich“ ist eine Kalenderaussage, keine Rechenaufgabe
Die bequeme Antwort auf „täglich“ wäre „vierundzwanzig Stunden später“. Sie ist an zwei Tagen im Jahr falsch. Bei der Zeitumstellung hat der Tag dreiundzwanzig oder fünfundzwanzig Stunden, und eine Maßnahme, die um acht Uhr fällig war, rutscht auf sieben oder neun. Über mehrere Wochen wandert sie weiter.
Bei uns bleibt acht Uhr acht Uhr. Und eine monatliche Maßnahme, die am 31. Januar fällig war, ist Ende Februar wieder dran und nicht erst im März. Eine Maßnahme, die einen Monat überspringt, ist eine ausgefallene Maßnahme.
Ein „heute nicht“ beendet keine Serie
Wenn eine Bewohnerin eine Maßnahme heute ablehnt, wird das dokumentiert. In vielen Systemen entsteht dann kein Folgetermin, und eine einzige Ablehnung löscht alle künftigen Vorkommen.
Im Pflegealltag ist das falsch. Eine Ablehnung heute sagt nichts über morgen. Die Serie läuft weiter, die Ablehnung steht dokumentiert daneben.
Dahinter steht dieselbe Haltung wie überall in diesem Bereich: Alles, was gemeinsam wahr sein muss, muss auch gemeinsam entstehen. Warum das bei Pflegedaten kein Detail ist, steht in Warum niemand mehr sagen kann, wer das eingetragen hat.